Guide · Marcel Steiert

Ziel, Prüfliste, Schleife: meine Vorlage

Statt Prompt, Ergebnis, Korrektur und wieder von vorn gibst du Claude einmal das Ziel und eine Prüfliste. Claude misst seinen Entwurf selbst daran und bessert nach, bis jeder Punkt erfüllt ist. Du schaust erst drauf, wenn es fertig ist.

Hier bekommst du die Vorlage zum Kopieren, eine Anleitung, wie du sie in fünf Minuten für deine Aufgabe ausfüllst, und ein echtes Beispiel: die Prüfliste, mit der mein Skript-Agent arbeitet.

Das Ziel beschreibt, wie das fertige Ergebnis aussieht, für wen es ist und wofür es gebraucht wird. Nicht, wie Claude dorthin kommt.
Die Prüfliste sind fünf bis acht Punkte, die man mit Ja oder Nein beantworten kann. Daran misst Claude seine eigene Arbeit.
Die Schleife ist die Anweisung: Prüf dich selbst, bessere jede schwache Stelle nach, prüf noch einmal. Höchstens drei Runden, dann bekommst du das Ergebnis samt Prüfprotokoll.
Das empfiehlt auch Anthropic. In der offiziellen Prompting-Anleitung für die aktuellen Claude-Modelle steht sinngemäß: Allgemeine Anweisungen bringen oft bessere Ergebnisse als ein von Hand geschriebener Schritt-für-Schritt-Plan. Und: Lass Claude seine Antwort vor dem Abschluss gegen deine Kriterien prüfen.

Stand: Oktober 2026. Quelle: „Prompting best practices“ in der Claude-Dokumentation (platform.claude.com).

Die Vorlage

Kopier sie, ersetz die Teile in eckigen Klammern und schick sie als eine einzige Nachricht ab. Danach wartest du auf das Ergebnis, statt jeden Zwischenschritt zu kommentieren.

Vorlage: Ziel, Prüfliste, Schleife
ZIEL
[Was am Ende rauskommen soll, in zwei bis drei Sätzen: Was ist es, für wen ist es, wofür wird es gebraucht?]
Warum das wichtig ist: [ein Satz Hintergrund]
Material: [was du mitgibst oder wo es liegt]

PRÜFLISTE
Das Ergebnis ist erst fertig, wenn jeder dieser Punkte mit Ja beantwortet ist:
1. [prüfbarer Punkt]
2. [prüfbarer Punkt]
3. [prüfbarer Punkt]
4. [prüfbarer Punkt]
5. [prüfbarer Punkt]

SCHLEIFE
So arbeitest du:
1. Erstelle einen ersten Entwurf. Den Weg dorthin wählst du selbst.
2. Prüf den Entwurf Punkt für Punkt gegen die Prüfliste. Bei jedem Punkt: Ja oder Nein, mit einem Satz Begründung, der sich auf eine konkrete Stelle im Entwurf bezieht.
3. Bei jedem Nein: Bessere genau diese Stelle nach. Prüf danach die ganze Liste noch einmal, damit die Korrektur nichts anderes kaputt macht.
4. Wiederhole das, bis jeder Punkt Ja ist. Höchstens drei Runden.
5. Fehlt dir eine Information, die du für einen Punkt brauchst, erfinde nichts. Markiere die Stelle mit [FEHLT: was genau] und mach weiter.

Gib mir am Ende:
- das fertige Ergebnis
- darunter das Prüfprotokoll der letzten Runde (Punkt, Ja oder Nein, Begründung)
- falls nach drei Runden noch ein Nein übrig ist: welcher Punkt und warum

Zwischenstände brauche ich nicht. Das letzte Wort habe ich.

So füllst du sie aus

  1. Das Ziel in zwei, drei Sätzen

    Beschreib das Ergebnis so, wie du es einem neuen Mitarbeiter am ersten Tag erklären würdest: Was soll am Ende auf dem Tisch liegen, wer liest es, wofür? Der Satz „Warum das wichtig ist“ klingt überflüssig, hilft aber. Wenn Claude den Grund kennt, trifft er die vielen kleinen Entscheidungen unterwegs besser.

    Was nicht ins Ziel gehört: die einzelnen Arbeitsschritte. Genau die überlässt du Claude.

  2. Die Prüfliste: nur Punkte mit Ja oder Nein

    Das ist der wichtigste Teil. Ein Punkt taugt nur, wenn man ihn eindeutig abhaken kann. „Gut geschrieben“ kann Claude sich immer selbst bescheinigen. „Kein Satz länger als 20 Wörter“ nicht.

    Schwach: Ist überzeugend. Klingt professionell. Ist nicht zu lang. Passt zur Zielgruppe.
    Stark: Höchstens 150 Wörter. Jede Zahl hat eine Quelle oder fliegt raus. Durchgehend du, nie Sie. Der erste Satz nennt das Ergebnis für den Leser. Am Ende steht genau eine Frage.

    Fünf bis acht Punkte reichen. Wenn du merkst, dass du dieselbe Korrektur zum zweiten Mal machst, gehört sie als neuer Punkt auf die Liste.

  3. Die Schleife unverändert lassen

    Den Teil SCHLEIFE musst du nicht anpassen. Zwei Stellen darin sind bewusst so gebaut:

    • Begründung mit Stelle im Entwurf. Ein bloßes „Ja“ ist schnell geschrieben. Muss Claude zeigen, wo der Punkt erfüllt ist, wird die Prüfung ehrlich.
    • Höchstens drei Runden. Ohne Grenze kann Claude sich an einem Punkt festbeißen, der mit dem vorhandenen Material gar nicht zu erfüllen ist. Dann sollst du davon erfahren, statt endlos zu warten.
  4. Einmal abschicken, dann das Protokoll lesen

    Du bekommst das fertige Ergebnis und darunter das Prüfprotokoll. Lies zuerst das Protokoll: Steht überall Ja, mit einer Begründung, die du nachvollziehen kannst? Dann liest du das Ergebnis selbst. Die Prüfliste nimmt dir das Nachbessern ab, nicht die Verantwortung.

  5. Dauerhaft einrichten statt jedes Mal kopieren

    Für Aufgaben, die immer wiederkommen (Angebote, Kundenmails, Stellenanzeigen, Skripte), legst du auf claude.ai ein Projekt an und packst ZIEL, PRÜFLISTE und SCHLEIFE in die Projekt-Anweisungen (Instructions). Ab dann schreibst du pro Auftrag nur noch das Material dazu.

    Arbeitest du mit Claude Code, kann Claude die Schleife sogar mit Werkzeugen prüfen, also Dateien öffnen, Befehle ausführen, eine Seite ansehen. Dann hängst du diesen Satz an:

    Zusatz für Claude Code
    Prüf jeden Punkt der Prüfliste mit deinen Werkzeugen nach (Datei öffnen, Befehl ausführen, Ergebnis ansehen), nicht nur im Kopf. Schreib ins Protokoll, womit du jeden Punkt geprüft hast.

So sieht das bei mir aus

Mein Agent, der meine Reel-Skripte schreibt, arbeitet genau nach diesem Prinzip. Bevor ich ein Skript zu sehen bekomme, geht er es gegen eine feste Abnahme-Liste durch. Ein einziges Nein heißt: umschreiben, nicht ausliefern. Hier eine gekürzte Fassung als Vorlage, die du für deine eigenen Texte übernehmen kannst:

Beispiel: Prüfliste für ein Reel-Skript
PRÜFLISTE
Das Skript ist erst fertig, wenn jeder dieser Punkte mit Ja beantwortet ist:
1. Jede Zahl im Skript ist belegt. Was sich nicht belegen lässt, fliegt raus.
2. Jedes genannte Tool und jede Funktion gibt es wirklich und ist für die Zielgruppe erreichbar.
3. Durchgehend du, nie ihr, nie man.
4. Keine Gedankenstriche.
5. Die Länge weicht höchstens 20 Prozent von der Vorgabe ab.
6. Der Hook verspricht das Ergebnis, ohne schon zu erklären, wie es funktioniert.
7. Kein Versprechen, das ich danach nicht einlösen kann.
8. Laut gelesen: Kein Satz, über den man beim Sprechen stolpert.

Seitdem korrigiere ich nicht mehr Satz für Satz, sondern lese ein Skript, das die Liste schon bestanden hat. Das letzte Wort habe trotzdem ich.


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