Schluss mit zwölf Runden Nachbessern
Prompt, Ergebnis, Korrektur. Und wieder von vorn. Das liegt nicht daran, dass Claude schlecht arbeitet. Claude weiß nur nie, wann etwas fertig ist. Also sagst du es ihm vorher: mit einem Ziel und fünf prüfbaren Punkten. Dann prüfst du einmal am Ende statt zwölfmal dazwischen.
Hier bekommst du die fünf Schritte am Beispiel einer Angebotsvorlage, meine Prüflisten-Vorlage zum Ausfüllen und meinen Schleifen-Prompt zum Kopieren. Ohne Plugin, ohne Code. Funktioniert im normalen Chat auf claude.ai genauso wie in Claude Code.
Stand: Oktober 2026. Quelle: „Best practices for Claude Code“, Abschnitt „Give Claude a way to verify its work“ (code.claude.com). Die zwölf Runden sind bildhaft gemeint, keine Messung.
Die fünf Schritte
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Das Ziel in einem Satz
Ein gutes Ziel beschreibt das Ergebnis aus Sicht dessen, der es benutzt. Nicht, wie Claude dorthin kommt. Die einfachste Form:
Formel für das Ziel[Was] für [wen], mit dem [diese Person] [was genau] kann.
Statt: „Mach mir eine gute Angebotsvorlage.“Besser: „Eine Angebotsvorlage, die ein neuer Mitarbeiter ohne Rückfrage ausfüllen kann.“Der zweite Satz sagt Claude, woran sich jede Entscheidung unterwegs messen muss: Versteht das jemand, der neu ist, ohne nachzufragen?
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Fertig heißt: diese fünf Punkte
Das ist der wichtigste Schritt. Ein Punkt taugt nur, wenn man ihn eindeutig mit Ja oder Nein beantworten kann. „Professionell“ kann Claude sich immer selbst bescheinigen. „Höchstens zwei Seiten“ nicht.
Schwach: Sieht professionell aus. Ist übersichtlich. Nicht zu lang. Passt zu uns.Stark (Beispiel Angebotsvorlage):
1. Höchstens zwei Seiten.
2. Alle Pflichtfelder sind markiert.
3. Preise nur aus der Preisliste, nie geschätzt.
4. Durchgehend Du-Form.
5. Ein ausgefülltes Beispiel ist dabei.Die Probe für jeden Punkt: Könnten zwei verschiedene Leute unabhängig voneinander dasselbe Ja oder Nein geben? Wenn nicht, mach ihn konkreter. Bei der Du-Form gilt natürlich: Schreibst du deinen Kunden per Sie, wird daraus „Durchgehend Sie-Form“.
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Erst den Plan zeigen lassen
Bevor Claude loslegt, lässt du dir den Weg zeigen. Hier korrigierst du in einer Minute, was sonst drei Runden kostet, zum Beispiel wenn Claude die Preisliste gar nicht hat oder die falschen Pflichtfelder annimmt.
Plan-SatzZeig mir zuerst deinen Plan in höchstens fünf Punkten: wie du vorgehst und welche Informationen dir noch fehlen. Noch nichts bauen. Ich gebe dir dann ein „OK, leg los“.
In Claude Code gibt es dafür einen eigenen Planmodus: Shift+Tab drücken, bis unten „plan mode on“ steht. Dann liest Claude nur und ändert nichts, bis du den Plan freigibst.
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Der Auftrag mit Rundenlimit
Nach deinem „OK, leg los“ arbeitet Claude, prüft sich selbst gegen die fünf Punkte und bessert nach. Das Limit von drei Runden ist dein Sicherheitsgurt: Ohne Grenze kann Claude sich an einem Punkt festbeißen, der mit dem vorhandenen Material gar nicht zu erfüllen ist. Dann sollst du davon erfahren, statt zu warten.
Schleifen-SatzArbeite, prüfe dein Ergebnis gegen die fünf Punkte und verbessere, was fehlt. Wiederhole das, bis alle erfüllt sind, höchstens drei Runden. Dann zeig mir, was offen ist.
Der komplette Schleifen-Prompt weiter unten macht daraus eine ehrliche Prüfung: Claude muss bei jedem Punkt zeigen, wo im Ergebnis er erfüllt ist. Ein bloßes „Ja“ reicht nicht.
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Fehler nur einmal machen
Wenn trotzdem etwas schiefgeht, korrigierst du es nicht nur in diesem Chat, sondern schreibst eine Regel in deine Regeldatei, Abschnitt „Gelernt“. Claude liest sie beim nächsten Auftrag mit.
Abschnitt für die Regeldatei## Gelernt - Preise nie schätzen, immer aus der Preisliste. - [nächste Regel, ein Satz, so konkret wie möglich]
Wo die Regeldatei liegt:
- claude.ai: Leg für die Aufgabe ein Projekt an und klick auf „Set project instructions“. Was dort steht, gilt für alle Chats in diesem Projekt. Projekte gibt es auch im kostenlosen Plan (bis zu fünf).
- Claude Code: die Datei
CLAUDE.mdim Projektordner. Claude liest sie zu Beginn jeder Sitzung. Halte sie kurz: Eine überladene Datei führt laut Anthropic dazu, dass Claude Regeln übersieht.
Meine Prüflisten-Vorlage
Füll sie einmal pro Aufgabe aus. Ziel und Punkte darfst du ruhig von Claude vorschlagen lassen, aber entscheiden musst du sie selbst. Die Liste ist dein Maßstab, nicht Claudes.
ZIEL [Was] für [wen], mit dem [diese Person] [was genau] kann. MATERIAL [Was ich mitgebe: Dateien, Preisliste, alte Beispiele, Notizen] FERTIG HEISST Das Ergebnis ist erst fertig, wenn jeder Punkt mit Ja beantwortet ist: 1. [prüfbarer Punkt, z. B. eine Länge, eine Anzahl, ein Pflichtteil] 2. [prüfbarer Punkt] 3. [prüfbarer Punkt] 4. [prüfbarer Punkt] 5. [prüfbarer Punkt] GELERNT (aus früheren Runden) - [Regel, falls schon vorhanden, sonst leer lassen]
Mein Schleifen-Prompt
Kopier ihn unter deine ausgefüllte Prüfliste und schick beides als eine einzige Nachricht ab. Den Prompt selbst musst du nicht anpassen.
SO ARBEITEST DU 1. Zeig mir zuerst deinen Plan in höchstens fünf Punkten: wie du vorgehst und welche Informationen dir noch fehlen. Noch nichts bauen. Warte auf mein „OK, leg los“. 2. Danach erstellst du einen ersten Entwurf. Den Weg dorthin wählst du selbst. 3. Prüf den Entwurf Punkt für Punkt gegen „Fertig heißt“. Bei jedem Punkt: Ja oder Nein, mit einem Satz Begründung, der auf eine konkrete Stelle im Entwurf zeigt. 4. Bei jedem Nein: Verbessere genau diese Stelle. Prüf danach die ganze Liste noch einmal, damit die Korrektur nichts anderes kaputt macht. 5. Wiederhole das, bis jeder Punkt Ja ist. Höchstens drei Runden. 6. Fehlt dir eine Information, erfinde nichts. Markiere die Stelle mit [FEHLT: was genau] und mach weiter. 7. Halte dich an alle Regeln unter „Gelernt“. AM ENDE BEKOMME ICH - das fertige Ergebnis - darunter das Prüfprotokoll der letzten Runde: Punkt, Ja oder Nein, Begründung - falls nach drei Runden noch ein Nein übrig ist: welcher Punkt, warum, und was du dafür von mir brauchst - einen Vorschlag für eine neue Regel unter „Gelernt“, falls dir unterwegs ein wiederkehrender Fehler aufgefallen ist Zwischenstände brauche ich nicht. Die Abnahme mache ich.
Das ganze Beispiel: Angebotsvorlage
So sieht beides zusammen aus, fertig ausgefüllt. Häng deine Preisliste und ein altes Angebot als Datei an.
ZIEL Eine Angebotsvorlage, die ein neuer Mitarbeiter ohne Rückfrage ausfüllen kann. MATERIAL Im Anhang: unsere Preisliste und ein altes Angebot als Beispiel für Ton und Aufbau. FERTIG HEISST Das Ergebnis ist erst fertig, wenn jeder Punkt mit Ja beantwortet ist: 1. Höchstens zwei Seiten. 2. Alle Pflichtfelder sind markiert. 3. Preise nur aus der Preisliste, nie geschätzt. 4. Durchgehend Du-Form. 5. Ein ausgefülltes Beispiel ist dabei. GELERNT - Preise nie schätzen, immer aus der Preisliste. SO ARBEITEST DU 1. Zeig mir zuerst deinen Plan in höchstens fünf Punkten: wie du vorgehst und welche Informationen dir noch fehlen. Noch nichts bauen. Warte auf mein „OK, leg los“. 2. Danach erstellst du einen ersten Entwurf. Den Weg dorthin wählst du selbst. 3. Prüf den Entwurf Punkt für Punkt gegen „Fertig heißt“. Bei jedem Punkt: Ja oder Nein, mit einem Satz Begründung, der auf eine konkrete Stelle im Entwurf zeigt. 4. Bei jedem Nein: Verbessere genau diese Stelle. Prüf danach die ganze Liste noch einmal, damit die Korrektur nichts anderes kaputt macht. 5. Wiederhole das, bis jeder Punkt Ja ist. Höchstens drei Runden. 6. Fehlt dir eine Information, erfinde nichts. Markiere die Stelle mit [FEHLT: was genau] und mach weiter. 7. Halte dich an alle Regeln unter „Gelernt“. AM ENDE BEKOMME ICH - das fertige Ergebnis - darunter das Prüfprotokoll der letzten Runde: Punkt, Ja oder Nein, Begründung - falls nach drei Runden noch ein Nein übrig ist: welcher Punkt, warum, und was du dafür von mir brauchst - einen Vorschlag für eine neue Regel unter „Gelernt“, falls dir unterwegs ein wiederkehrender Fehler aufgefallen ist Zwischenstände brauche ich nicht. Die Abnahme mache ich.
Deine eine Abnahme am Ende
Du prüfst nicht mehr Satz für Satz, sondern in dieser Reihenfolge:
- Zuerst das Protokoll. Steht überall Ja, mit einer Begründung, die auf eine echte Stelle zeigt?
- Dann die offenen Punkte. Jedes [FEHLT] und jedes übrig gebliebene Nein klärst du jetzt, in einer Nachricht.
- Dann das Ergebnis selbst. Einmal ganz lesen. Die Prüfliste nimmt dir das Nachbessern ab, nicht die Verantwortung.
- Gefällt es dir trotzdem nicht? Dann fehlt ein Punkt auf der Liste. Ergänz ihn, statt im Chat zu korrigieren. So wird die Liste mit jedem Auftrag besser.
Prüf jeden Punkt mit deinen Werkzeugen nach (Datei öffnen, Befehl ausführen, Ergebnis ansehen), nicht nur im Kopf. Schreib ins Protokoll, womit du jeden Punkt geprüft hast.
Noch ein Beispiel: meine Prüfliste für Reel-Skripte
Die Methode taugt nicht nur für Angebote. Mein Agent, der meine Reel-Skripte schreibt, arbeitet genau so: Bevor ich ein Skript zu sehen bekomme, geht er es gegen eine feste Liste durch. Ein einziges Nein heißt umschreiben, nicht abliefern. Hier eine gekürzte Fassung, die du für deine eigenen Texte übernehmen kannst:
FERTIG HEISST Das Skript ist erst fertig, wenn jeder Punkt mit Ja beantwortet ist: 1. Jede Zahl im Skript ist belegt. Was sich nicht belegen lässt, fliegt raus. 2. Jedes genannte Tool und jede Funktion gibt es wirklich und ist für die Zielgruppe erreichbar. 3. Durchgehend du, nie ihr, nie man. 4. Keine Gedankenstriche. 5. Die Länge weicht höchstens 20 Prozent von der Vorgabe ab. 6. Der Hook verspricht das Ergebnis, ohne schon zu erklären, wie es funktioniert. 7. Kein Versprechen, das ich danach nicht einlösen kann. 8. Laut gelesen: kein Satz, über den man beim Sprechen stolpert.
Seitdem korrigiere ich nicht mehr Satz für Satz, sondern lese ein Skript, das die Liste schon bestanden hat. Das letzte Wort habe trotzdem ich.
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