Guide · Marcel Steiert

Schluss mit zwölf Runden Nachbessern

Gib Claude ein Ziel und eine Prüfliste. Er arbeitet, bis alles erfüllt ist.

Prompt, Ergebnis, Korrektur. Und wieder von vorn. Du liest, du korrigierst, du schickst neu, in jeder Runde. Nach zwölf Runden ist der Abend weg, und die Angebotsvorlage ist immer noch nicht ganz richtig. Claude ist nicht das Problem. Er weiß nur nie, wann es fertig ist. Also fragst du. Zwölfmal.

Deshalb sagst du es ihm vorher: mit einem Ziel und fünf prüfbaren Punkten. Du gibst den Plan frei und prüfst am Ende einmal. Nicht zwölfmal dazwischen.

Hier bekommst du die fünf Schritte am Beispiel einer Angebotsvorlage, meine Prüflisten-Vorlage zum Ausfüllen und meinen Schleifen-Prompt zum Kopieren. Ohne Plugin, ohne Code. Funktioniert im normalen Chat auf claude.ai genauso wie in Claude Code.

Die Idee: Du sagst, wann es fertig ist. Claude prüft selbst. Bauen, prüfen, verbessern, bis alle Punkte der Prüfliste erfüllt sind. Erst dann meldet sich Claude bei dir. Die Schleife läuft ohne dich, bis die Liste aufgeht. Deine Arbeit steckt vorher in der Prüfliste.

Warum das funktioniert. In Anthropics eigener Anleitung für Claude Code steht sinngemäß: Claude hört auf, wenn die Arbeit fertig aussieht. Ohne eine Prüfung, die Claude selbst durchführen kann, ist „sieht fertig aus“ das einzige Signal. Dann wirst du selbst zur Prüfschleife, und jeder Fehler wartet, bis du ihn bemerkst. Gibst du Claude etwas, das klar mit bestanden oder nicht bestanden antwortet, schließt sich die Schleife von allein.

Stand: Oktober 2026. Quelle: „Best practices for Claude Code“, Abschnitt „Give Claude a way to verify its work“ (code.claude.com). Die zwölf Runden sind bildhaft gemeint, keine Messung.

1. Das Ziel in einem Satz. Wofür, für wen, woran messbar.
2. Fünf Punkte, die „fertig“ bedeuten. Jeder mit Ja oder Nein prüfbar.
3. Erst den Plan zeigen lassen. Noch nichts bauen.
4. Arbeiten, gegen die Liste prüfen, verbessern. Höchstens drei Runden, dann zeigt Claude, was offen ist.
5. Fehler nur einmal machen. Was schiefging, kommt in die Regeldatei. So passiert es nur einmal.

Die fünf Schritte

  1. Das Ziel in einem Satz

    Ein gutes Ziel beschreibt das Ergebnis aus Sicht dessen, der es benutzt. Nicht, wie Claude dorthin kommt. Also nicht „mach mir eine Angebotsvorlage“. Sondern: Wofür ist sie gut, und für wen? Die einfachste Form:

    Formel für das Ziel
    [Was] für [wen], mit dem [diese Person] [was genau] kann.
    Statt: „Mach mir eine gute Angebotsvorlage.“
    Besser: „Eine Angebotsvorlage, die ein neuer Mitarbeiter ohne Rückfrage ausfüllen kann.“

    Der zweite Satz sagt Claude, woran sich jede Entscheidung unterwegs messen muss: Versteht das jemand, der neu ist, ohne nachzufragen?

    Merke: Passt dein Ziel nicht in einen Satz, sind es zwei Aufgaben. Dann machst du zwei Schleifen, eine nach der anderen.

  2. Fertig heißt: diese fünf Punkte

    Das ist der wichtigste Schritt. Regel: Jeder Punkt muss mit Ja oder Nein prüfbar sein. „Professionell“ ist kein Kriterium. „Höchstens 2 Seiten“ schon. Denn „professionell“ kann Claude sich immer selbst bescheinigen, eine Seitenzahl nicht.

    Schwach: Sieht professionell aus. Ist übersichtlich. Nicht zu lang. Passt zu uns.
    Stark (Beispiel Angebotsvorlage):
    1. Höchstens 2 Seiten.
    2. Alle Pflichtfelder sind markiert.
    3. Preise nur aus der Preisliste.
    4. Durchgehend in Du-Form.
    5. Ein ausgefülltes Beispiel liegt bei.

    Die Probe für jeden Punkt: Könnten zwei verschiedene Leute unabhängig voneinander dasselbe Ja oder Nein geben? Wenn nicht, mach ihn konkreter. Bei der Du-Form gilt natürlich: Schreibst du deinen Kunden per Sie, wird daraus „Durchgehend Sie-Form“.

  3. Erst den Plan zeigen lassen

    Bevor Claude loslegt, lässt du dir den Weg zeigen. Ein falscher Plan kostet dich 30 Sekunden. Ein falsches Ergebnis kostet dich eine Runde. Das merkst du zum Beispiel, wenn Claude die Preisliste gar nicht hat oder die falschen Pflichtfelder annimmt.

    Kurz-Prompt von der Slide
    Zeig mir zuerst deinen Plan. Noch nichts bauen.

    Passt der Plan, antwortest du mit „OK, leg los“. Passt er nicht, schreibst du, was du ändern willst. Die ausführlichere Fassung fragt gleich mit ab, welche Informationen Claude noch fehlen:

    Plan-Satz ausführlich
    Zeig mir zuerst deinen Plan in höchstens fünf Punkten: wie du vorgehst und welche Informationen dir noch fehlen. Noch nichts bauen. Ich gebe dir dann ein „OK, leg los“.

    In Claude Code gibt es dafür einen eigenen Planmodus: Shift+Tab drücken, bis unten „plan mode on“ steht. Dann liest Claude nur und ändert nichts, bis du den Plan freigibst.

  4. Der Auftrag mit Rundenlimit

    Nach deinem „OK, leg los“ arbeitet Claude, prüft sich selbst gegen die fünf Punkte und bessert nach. Runde 1, Runde 2, Runde 3, Stopp. Das Limit ist dein Sicherheitsgurt. Ohne Limit kann die Schleife endlos drehen und Nutzung fressen. Zum Beispiel, wenn Claude sich an einem Punkt festbeißt, der mit dem vorhandenen Material gar nicht zu erfüllen ist. Mit Limit erfährst du nach drei Runden davon, statt dass die Runden im Kreis drehen.

    Auftrag mit Rundenlimit
    Arbeite den Plan ab. Prüf dein Ergebnis gegen die fünf Punkte und verbessere, was fehlt. Wiederhole das, bis alle erfüllt sind, höchstens drei Runden. Dann zeig mir, was noch offen ist.

    Der komplette Schleifen-Prompt weiter unten macht daraus eine ehrliche Prüfung: Claude muss bei jedem Punkt zeigen, wo im Ergebnis er erfüllt ist. Ein bloßes „Ja“ reicht nicht.

  5. Fehler nur einmal machen

    Wenn trotzdem etwas schiefgeht, korrigierst du es nicht nur in diesem Chat. Was in der Schleife schiefging, schreibt Claude in deine Regeldatei, Abschnitt „Gelernt“. Die liest er bei jeder neuen Aufgabe mit. Am Ende der Aufgabe reicht ein Satz:

    Lern-Satz
    Was hast du gelernt? Schreib es unter Gelernt.

    In Claude Code trägt Claude die Regel selbst in die Datei ein. Im Chat auf claude.ai formuliert Claude die Regel, und du kopierst sie in die Projekt-Anweisungen, denn die kann Claude dort nicht selbst ändern. So sieht der Abschnitt aus:

    Abschnitt für die Regeldatei
    ## Gelernt
    - Preise nie schätzen, immer aus der Preisliste.
    - [nächste Regel, ein Satz, so konkret wie möglich]

    Wo die Regeldatei liegt:

    • claude.ai: Leg für die Aufgabe ein Projekt an und klick auf „Set project instructions“. Was dort steht, gilt für alle Chats in diesem Projekt. Projekte gibt es auch im kostenlosen Plan (bis zu fünf).
    • Claude Code: die Datei CLAUDE.md im Projektordner. Claude liest sie zu Beginn jeder Sitzung. Halte sie kurz: Eine überladene Datei führt laut Anthropic dazu, dass Claude Regeln übersieht.

Meine Prüflisten-Vorlage

Füll sie einmal pro Aufgabe aus. Ziel und Punkte darfst du ruhig von Claude vorschlagen lassen, aber entscheiden musst du sie selbst. Die Liste ist dein Maßstab, nicht Claudes.

Prüflisten-Vorlage
ZIEL
[Was] für [wen], mit dem [diese Person] [was genau] kann.

MATERIAL
[Was ich mitgebe: Dateien, Preisliste, alte Beispiele, Notizen]

FERTIG HEISST
Das Ergebnis ist erst fertig, wenn jeder Punkt mit Ja beantwortet ist:
1. [prüfbarer Punkt, z. B. eine Länge, eine Anzahl, ein Pflichtteil]
2. [prüfbarer Punkt]
3. [prüfbarer Punkt]
4. [prüfbarer Punkt]
5. [prüfbarer Punkt]

GELERNT (aus früheren Runden)
- [Regel, falls schon vorhanden, sonst leer lassen]

Mein Schleifen-Prompt

Kopier ihn unter deine ausgefüllte Prüfliste und schick beides als eine einzige Nachricht ab. Den Prompt selbst musst du nicht anpassen.

Schleifen-Prompt
SO ARBEITEST DU
1. Zeig mir zuerst deinen Plan in höchstens fünf Punkten: wie du vorgehst und welche Informationen dir noch fehlen. Noch nichts bauen. Warte auf mein „OK, leg los“.
2. Danach erstellst du einen ersten Entwurf. Den Weg dorthin wählst du selbst.
3. Prüf den Entwurf Punkt für Punkt gegen „Fertig heißt“. Bei jedem Punkt: Ja oder Nein, mit einem Satz Begründung, der auf eine konkrete Stelle im Entwurf zeigt.
4. Bei jedem Nein: Verbessere genau diese Stelle. Prüf danach die ganze Liste noch einmal, damit die Korrektur nichts anderes kaputt macht.
5. Wiederhole das, bis jeder Punkt Ja ist. Höchstens drei Runden.
6. Fehlt dir eine Information, erfinde nichts. Markiere die Stelle mit [FEHLT: was genau] und mach weiter.
7. Halte dich an alle Regeln unter „Gelernt“.

AM ENDE BEKOMME ICH
- das fertige Ergebnis
- darunter das Prüfprotokoll der letzten Runde: Punkt, Ja oder Nein, Begründung
- falls nach drei Runden noch ein Nein übrig ist: welcher Punkt, warum, und was du dafür von mir brauchst
- einen Vorschlag für eine neue Regel unter „Gelernt“, falls dir unterwegs ein wiederkehrender Fehler aufgefallen ist

Zwischenstände brauche ich nicht. Die Abnahme mache ich.

Das ganze Beispiel: Angebotsvorlage

So sieht beides zusammen aus, fertig ausgefüllt. Häng deine Preisliste und ein altes Angebot als Datei an.

Beispiel komplett
ZIEL
Eine Angebotsvorlage, die ein neuer Mitarbeiter ohne Rückfrage ausfüllen kann.

MATERIAL
Im Anhang: unsere Preisliste und ein altes Angebot als Beispiel für Ton und Aufbau.

FERTIG HEISST
Das Ergebnis ist erst fertig, wenn jeder Punkt mit Ja beantwortet ist:
1. Höchstens 2 Seiten.
2. Alle Pflichtfelder sind markiert.
3. Preise nur aus der Preisliste.
4. Durchgehend in Du-Form.
5. Ein ausgefülltes Beispiel liegt bei.

GELERNT
- Preise nie schätzen, immer aus der Preisliste.

SO ARBEITEST DU
1. Zeig mir zuerst deinen Plan in höchstens fünf Punkten: wie du vorgehst und welche Informationen dir noch fehlen. Noch nichts bauen. Warte auf mein „OK, leg los“.
2. Danach erstellst du einen ersten Entwurf. Den Weg dorthin wählst du selbst.
3. Prüf den Entwurf Punkt für Punkt gegen „Fertig heißt“. Bei jedem Punkt: Ja oder Nein, mit einem Satz Begründung, der auf eine konkrete Stelle im Entwurf zeigt.
4. Bei jedem Nein: Verbessere genau diese Stelle. Prüf danach die ganze Liste noch einmal, damit die Korrektur nichts anderes kaputt macht.
5. Wiederhole das, bis jeder Punkt Ja ist. Höchstens drei Runden.
6. Fehlt dir eine Information, erfinde nichts. Markiere die Stelle mit [FEHLT: was genau] und mach weiter.
7. Halte dich an alle Regeln unter „Gelernt“.

AM ENDE BEKOMME ICH
- das fertige Ergebnis
- darunter das Prüfprotokoll der letzten Runde: Punkt, Ja oder Nein, Begründung
- falls nach drei Runden noch ein Nein übrig ist: welcher Punkt, warum, und was du dafür von mir brauchst
- einen Vorschlag für eine neue Regel unter „Gelernt“, falls dir unterwegs ein wiederkehrender Fehler aufgefallen ist

Zwischenstände brauche ich nicht. Die Abnahme mache ich.

Deine eine Abnahme am Ende

Du prüfst einmal. Am Ende, nicht zwölfmal dazwischen. Vorher warst du zwölfmal dran. Mit Ziel und Prüfliste: Plan ok, dann Claude mit bis zu 3 Runden, dann deine Abnahme. „Zwölf Runden“ ist bildhaft. Aber du weißt, welche Aufgabe gemeint ist.

Bei der Abnahme liest du nicht mehr Satz für Satz, sondern gehst in dieser Reihenfolge vor:

Für Claude Code noch ein Zusatz. Dort kann Claude die Punkte mit Werkzeugen prüfen statt nur im Kopf: Datei öffnen, Seitenzahl nachsehen, Ergebnis ansehen. Häng dafür diesen Satz an:
Zusatz für Claude Code
Prüf jeden Punkt mit deinen Werkzeugen nach (Datei öffnen, Befehl ausführen, Ergebnis ansehen), nicht nur im Kopf. Schreib ins Protokoll, womit du jeden Punkt geprüft hast.

Noch ein Beispiel: meine Prüfliste für Reel-Skripte

Die Methode taugt nicht nur für Angebote. Mein Agent, der meine Reel-Skripte schreibt, arbeitet genau so: Bevor ich ein Skript zu sehen bekomme, geht er es gegen eine feste Liste durch. Ein einziges Nein heißt umschreiben, nicht abliefern. Hier eine gekürzte Fassung, die du für deine eigenen Texte übernehmen kannst:

Beispiel: Prüfliste für ein Reel-Skript
FERTIG HEISST
Das Skript ist erst fertig, wenn jeder Punkt mit Ja beantwortet ist:
1. Jede Zahl im Skript ist belegt. Was sich nicht belegen lässt, fliegt raus.
2. Jedes genannte Tool und jede Funktion gibt es wirklich und ist für die Zielgruppe erreichbar.
3. Durchgehend du, nie ihr, nie man.
4. Keine Gedankenstriche.
5. Die Länge weicht höchstens 20 Prozent von der Vorgabe ab.
6. Der Hook verspricht das Ergebnis, ohne schon zu erklären, wie es funktioniert.
7. Kein Versprechen, das ich danach nicht einlösen kann.
8. Laut gelesen: kein Satz, über den man beim Sprechen stolpert.

Seitdem korrigiere ich nicht mehr Satz für Satz, sondern lese ein Skript, das die Liste schon bestanden hat. Das letzte Wort habe trotzdem ich.

Dein Start: Bei welcher Aufgabe besserst du am meisten nach? Nimm genau die als erste Schleife: Ziel in einem Satz, fünf Punkte, Schleifen-Prompt drunter.

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